Nein zur Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot»

Darf ich vorstellen: Herr Wobmann, Herr Haldimann, Herr Schlüer, Herr Liebrand, Herr Freudiger und Herr Fiechter – sechs Namen, die Sie auch gleich wieder vergessen können! Sie bilden das «Egerkinger Komitee». Es steht für die Befreiung der Frau aus der Unterdrückung in Form der Volksinitiative zum Verhüllungsverbot. Die SVP-Befreiungsarmee hat aber allem Anschein nach, bei der Gründung des Vorstandes vergessen, dass es auch Damen in der Schweiz gibt.

Für dreissig Muslima steigen sie aber in den Ring und kämpfen für deren Rechte als Frauen, werfen sich mit aller Männlichkeit in den Kreuzzug für die «christliche Leitkultur», wie sie es nennen. Ohne Burka, ohne Niqab, ohne dass Frauen sich unförmig in Tücher hüllen, ist der Blick in die Welt für Wobmann und die starken Männer um einiges schöner und sinnlicher. Dann kann die Frau endlich Frau sein! Sie kann dann zum Beispiel kochen, backen, putzen, zuhause bei den Kindern sein, ihren Beruf aufgeben, ohne von der «christlichen Leitkultur» als Islamistenbraut beschimpf zu werden. Sie muss und kann ihre langen verführerischen Haare nicht mehr verstecken! Ein freier Blick, lange, aufs ganze Gesicht, um zu sehen, wie die Frau blüht und saftet und sich mit uns über die «christliche Leitkultur» freut, ist wichtig! SIE ist sich selbst und den Menschen, wie jenen des «Egerkinger Komitees», dann ganz ausgesetzt, was immer noch besser ist, als ihrem Mann alleine ausgesetzt zu sein. Alles Errungenschaften der «christlichen Leitkultur», wie sie in SVP-Kreisen gerne gesehen werden.

Aber auch neue Welten eröffneten sich der Unverhüllten. Böge sie sich dem Willen des Schweizer Stimmvolks, könnte sie frei entscheiden, ob sie eine schlechte Hausfrau in Führungsposition mit einem schwachen Mann zuhause, der auf die Kinder schaut, sein mag. Natürlich dürfte auch er, wenn sie nur ihre Hüllen fallen liesse, 20% weniger arbeiten und sich dafür beklatschen lassen, ein Vorbild zu sein.

Ach!!! Das könnten die Männer der dreissig verschleierten Frauen, die fest in der Schweiz leben, jetzt auch schon? Wäre das nicht wirtschaftlicher Unsinn? Denn er verdient ja jährlich im Durchschnitt 14.4 Prozent mehr als sie. Aber man könnte…wenn es alle wollten…dann könnte man es bei uns in der Schweiz so machen – dank «christlicher Leitkultur»!

Die Väter des Verhüllungsverbots wollen das lieber nicht. Aber ihnen gefallen die Möglichkeiten, das Potenzial, das in unserer Kultur steckt. Diese Möglichkeit, sich als starke Männer an den Frauenrechtlerinnen abzureiben. Nur kurz. Keine Eheschliessung soll daraus wachsen. Aber so tun, als ob. So verbindet nur das Band der Träume die Feministen und diese Herren. Gerne überlassen sich die sechs den Applaudierenden, die sich für das weibliche Geschlecht einzusetzen glauben, selbst wenn diese Damen für einmal auf sie, aber immerhin alle zusammen auf diese „islamistische Kultur“ herabblicken. Denn solche Herren halten die Zügel, ob mit oder ohne Verhüllung, fest in der Hand.

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