Der Fas(t)nachtsbrauch

Der Frühling naht mit Brausen.
Er rüstet sich zur Tat,
Und unter Sturm und Sausen
Keimt still die grüne Saat.
Drum wach‘, erwach‘, o Menschenkind, 
Daß dich der Lenz nicht schlafend find‘.

Karl Kindermann (1798 – 1862)

Wie beginnt man besonders wichtige Lebensabschnitte? Mit einem Fest, Tanz, Musik, Essen und Trinken. Aus diesem Glauben, der Anfang müsse ein Guter sein, damit der ganze folgende Zeitabschnitt positiv verläuft, stammt auch das Fastnachts- oder Fasnachtsbrauchtum. Ihm und vielen anderen christlichen Bräuchen wurden lange zu Unrecht heidnische Ursprünge nachgesagt. Der christlich geprägte Jahreslauf dient aber nicht nur als Merkzettel, sondern er ist der Versuch der Menschheit bedeutungsvolle Wendepunkte hervorzuheben. Auch im Lebenslauf setzt bis heute in Europa das christliche Brauchtum wichtige Akzente, wie die Taufe oder die Vermählung. (Das ist natürlich keine Begründung dafür, dass nicht auch andere Kulturen in Europa ihre Bräuche leben können.)

Eindeutig belegt werden konnte, dass die Fas(t)nacht erst im Mittelalter als Fest der verkehrten Welt entstanden ist. Sie symbolisiert den Kampf zwischen Winter und Lenz. „Hoorig, hoorig isch die Katz“ krähte damals die Fistelstimme einer unter seinem Schäppel unerkannten Person zu viel Kladderadatsch der Schnarren, Knallerbsen, Schweinsblasen, Peitschenspiele und Ratschen. Diese Lärmmacher sollten den Wachstumsgeist aufwecken und den Winter je nach Region ersaufen, verbrennen oder einfach piesacken. Heute übernimmt diese Funktion die Guggenmusik. Das Fest der verkehrten Welt, war in Zeiten, in denen man sicher war, Gott sei die urteilende Gewalt, ein theatralisches Gegenüberstellen der Civitas Die und der Civitas Diavoli. Der schwerverdiente Taler saß locker. Der Maiensteck tat das Seinige und übertrugt die Kraft des Herrn Lenz auf die Dorf- und Hausbewohnter. Dank Diapositive, die mittels Facebook-Konzern weltweit geteilt werden können, stecken wir heute noch gleichviel Zeit, Kosten und Mühe wie früher in Masken und Kostüme. Denn jetzig wie damals lautet das Ziel während des rituellen Unfugs: von niemandem nachhaltig erkannt werden! 

Bild: Ignaz Good/“Sarganserländer“

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