Tagebuch: Woche 7

Reich und Schön

Hallo liebe Leserschaft, das ist leider schon der letzte Beitrag meiner ersten Blog-Folge „Reich und Schön“. Aber es gibt gute Neuigkeiten. Vermutlich werden die Geschichten bis nächsten Frühling überarbeitet und von einem Verlag in Buchform publiziert. Dazu später mehr.
Und falls ihr mal keine Zeit hattet mitzulesen, könnt ihr euch die Folgen bald als Podcast anhören. Vielleicht nicht, wie geplant am Strand – aber im Liegestuhl auf dem Balkon hört sich’s auch gut 😉 Viel Freude an diesem Finale!!!





Immer wieder habe ich meinen ersten Coronatagebuch-Eintrag gelesen. Immer wieder habe ich meinen jetzigen Zustand mit dem, wie ich ihn mitte März beschrieben hatte, verglichen. Immer wieder haben sich damals und seither meine Gedanken gedreht, immer wieder um dieselben Themen – schier endlos. Der März kommt mir weit entfernt vor. Er ist schon lange vorbei. Vermutlich hätte ich jenes Gefühl damals, dieser plötzlich einkehrenden Ruhe, diese Ruhe in meinen Gedankengängen wieder vergessen. Aber ich habe sie aufgeschrieben und festgehalten. Und zum ersten Mal seit langem bin ich nicht in ihnen hängen geblieben, weil mir die Zeit fehlte sie zu Ende zu denken.

«Ich bin nicht nachtragend – nicht bei anderen Menschen und nicht bei mir selbst. Ich bin eine schreckliche Optimistin, die langfristig nur das Gute in Erinnerung behält.» Diese Aussagen über mich in meinen eigenen Texten lese ich nacheinander – immer wieder. Wie ein Puzzle setze ich nach und nach mein Denken und Handeln zu meinem Leben zusammen. Erstmals wird mir klar, wie man vom Tagebuchschreiben profitieren kann. Ab und zu war es ein Ventil. Meine Gedanken ungeordnet irgendwo aufschreiben, mich mit ihnen auseinandersetzen und sie zumindest auf dem Papier ordnen – wieder lesen, wieder neu anordnen.

Es ist Sommer geworden. Keine Erinnerungen mehr an die Schneeflocken, die vor meinem Fenster vom Wind zerfranst und chaotisch zu Boden gedrückt wurden. Schnee – gehört auf die andere Seite des Globus! Dafür ist da ein toter Schwarzer, dessen Bilder, wie dieser brutal zu Boden gedrückt wird, eine Polizeikrise in der westlichen Welt auslösen.
Eine Krise kommt, die andere geht. Wie schlau ist die Menschheit? Wie schlau sollte sie nach den dauernden Krisen sein? Sollten wir nicht längst kollektiv alles gelernt haben?

Es ist parabelhaft! Diese Krise kam, um uns wach zu rütteln, in dem sie uns (fast) allen mehr Ruhe gab. Interessanterweise treffe ich kaum Menschen, die die Quarantäne anstrengend fanden. Auch ich habe mir die Zeit genommen, um mich neu aufzusetzen. Zwar fühle ich mich geordnet, weiss, was meine nächsten Schritte sind, weiss, was ich sicher möchte, was ich offenhalten möchte, was ich nicht mehr möchte. Ich fühle mich bereit, in meine persönliche neue Normalität zurückzukehren. Aber zu oft bin ich schon mit den besten Vorsätzen am Start gestanden.

Der 21. Juni ist vorbei. Sonnenwende. Der Sommer ist dieses Jahr schüchtern. Unsicher, ob er das Leben noch geniessen darf, zeigt er zwar seine warme Seite. Aber er scheint noch nicht. Sein Strahlen versteckt sich bisher häufig hinter den Wolken. Seine wahre Stärke wäre das unendliche Verströmen von Wärme. Dieses Jahr muss er zuerst die Wolken verschieben, eine Extrameile gehen. Ich glaube, er wird es schaffen. Er wird noch wunderschön. Der heisse, mich beglückende Sommer, in dessen Arme man sich begibt und nichts mehr zu tun braucht ausser sich wohlfühlen. Trotzdem ist da diese schlechte Erinnerung an meine Kindheit, in der der San Bernardino, die Grenze zum traumhaften Sommer war: beim nördlichen Tunneleingang Regen, am südlichen Ausgang Sonnenschein. Aber ist es nicht toll, dass wir uns nicht aktiv mit dem Wetter befassen können und müssen? Bisher zeigte er sich völlig unbeeindruckt von unseren Wünschen. Sprechen wir deshalb so oft darüber?

Thomas Gottschalk hat einmal gesagt als er gefragt wurde, ob ein Mann seines Grades, mit seinem Vermögen denn überhaupt echte Probleme im Leben hat: «Schlussendlich wursteln wir uns alle irgendwie durchs Leben.»

Manchmal kehren sich Gedanken um. Was vorher wichtig war wirkt dumm. Und dann kehren sie sich vielleicht wieder um – und wieder und wieder.

Ziemlich sicher fallen die Schneeflocken später im Jahr in meinen Garten. Ab November ist das gut möglich. Fünf Monate sind es noch bis dahin. Vor fünf Monaten war Februar. Das ist lange her. Es ist viel passiert und es soll weiterhin viel passieren. Aber vorerst ist es Sommer.

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