Tagebuch: Woche 5

90/60/90

Liebe Leserinnen und ganz lieber Leser,

Das Analysetool meines Blogs hat Sie verraten. Zu meinem Entsetzen lesen sehr viel mehr Frauen als Männer meine fundiert recherchierten Geschichten. Eigentlich dachte ich immer, ich müsse erst nach den Wechseljahren bei roter Ampel einmal im Leerlauf ordentlich Gas geben, um von Männern noch beachtet zu werden. Aber es scheint schon so weit zu sein. Daher versuche ich in diesem Beitrag, abgesehen von diesem kurzen Einschub, dass ich aus Versehen eine ganze Tomatenplantage angezüchtet habe, gar nicht länger vom Thema Gartenpflege zu sprechen. Keine poetisch-naturalistischen Beschreibungen, sondern Zahlen und Fakten bilden die Basis dieses Artikels. Also lieber Leser: bleiben auch Sie dran!!!

90/60/90. Das sagt vermutlich allen etwas. Es sind die Masse, mit welchen Frauen einer Barbiepuppe sehr nahe kommen, obwohl die Statur einer Barbie in real life nicht nur unerreichbar, sondern auch nicht überlebbar und sogar statisch unmöglich ist. Bevor der Herr wieder auf den Pfeil zurück klicken: für Sie gilt 100/80/100. Das ist insofern schade, da hier vermutlich die meisten Frauen perfekt hinpassten.

Auf dieses Thema für meinen Beitrag bin ich beim Frustshopping bei Tchibo, in einer Kombination von schlechten Sitzungen und Hormonen gekommen. Dieses Mal habe ich mich für zwei Sport-Leggings und ein Sport-T-Shirt entschieden. Tchibo liegt in meiner Nachbarschaft, weshalb ich dort öfters vorbeischaue. Die Sportsachen passen mir meist recht gut und sie geben mir vor allem ein wunderbares Gefühl. Denn auch als Frau über 90/60/90 kann man sich dort Grösse M leisten. Und meiner subjektiven Wahrnehmung nach, steht mir M auch absolut zu! Weder trage ich die Durchschnittsmasse eines Spargels noch einer Litfasssäule. Ich bin eher ein Ampelpfosten. Überall zu sehen, durchschnittlich und um wahrgenommen zu werden, muss erstmal einer in dich hineinlaufen.

Frustshopping hat meine Gedanken schnell wieder zurück gebracht in die schöne Welt, die ich mir immer durch die rosarote Brille anschaue. Diese Brille ist sehr angenehm und ermöglicht es mir, mich rasch wieder auf das zu konzentrieren, was mich auch tatsächlich weiterbringt und interessiert, anstatt mich mit Frust und Wut rumzuschlagen.
Ein ebenso wirkungsentfalltendes Mittel ist das Kochen. Für mich ist Gemütlichkeit immer mit kochen verbunden. In diesem Zusammenhang fällt mir gelegentlich auf – die Welt trennt sich in Gäste und Gastgeber. Ich bin eindeutig letzteres. Wöchentlich lade ich Gäste zu mir ein, einfach nur, um sie zu bekochen. Normalerweise bin ich beim Eintreffen der Gäste auf der Zielgeraden des Menüs. Aber in meiner noch angeschlagenen Stimmung, war in der Küche nichts vollbracht. Als es klingelte, schnappte ich mir rasch ein Messer, mit dem ich zur Haustür ging.

Beim Kochen mach ich etwas total verrücktes! Ich koche mit Fett kohlenhydrathaltige Speisen. Deswegen vermute ich mich auch absolut nicht in der Gegend von 90/60/90. Sport sei das probate Mittel, welches in diesem Alter noch einer unkontrollierten Körperausdehnung entgegenwirke. Ich habe es seit „Corona“ schon mit sechs Workouts pro Woche versucht. Und ja, ich fühle mich fitter und vermutlich habe ich an Muskelmasse zugelegt. Aber was ich an zurückgegangenem Hüftumfang und strafferer Haut zu erkennen versuche, kann auch schlichte Einbildung sein. Auch Einbildung nehme ich gerne zur Kenntnis und baue sie in meine Rosarote-Brille-Welt ein. Ich fühle mich dank Tchibo und Sport wie 90/60/90, obwohl die Realität vermutlich 110/70/200 ergeben würde (Hüfte/Taille/Brust – versteht sich). Schlussendlich bin und bleibe ich zum Glück ein Gefühlsmensch. Mein Gefühl hat nämlich meistens recht und es sagt mir in dem Fall, dass ich, wie ich bin, absolut okay bin. Von aussen wird mir aber eingeredet, dass mein Gefühl völlig daneben liegt und ich noch Potential zu gesünderem Schlanksein habe.

Die eigentlich Frohe Botschaft zu diesem Thema steht Ihnen, liebe Leserinnen und bester Leser, noch bevor. Die Uniklinik Tübingen führt einen Lehrstuhl für Ernährungsmedizin und Prävention. Generell gibt es für den Stoffwechsel günstige und es gibt ungünstige Stellen, wo sich Fett ansammeln kann. Das subkutane Fett ist zwar genau jenes Fett, das uns nicht so gut gefällt – ABER – medizinisch ist schon lange belegt, dass Frauen ohne «Hüftspeck», ein erhöhtes Risiko zu Herzinfarkten besitzen. Deswegen meine Damen: chillen Sie! Für die Männer gilt leider genau das Gegenteil, da diese das Fett meistens visceral statt subkutan, also zwischen den Organen, speichern. Gut für die Haut (interessiert nur keine Frau) aber schlecht für das Herz.

So: jetzt, mein Herr, dürfen Sie auf den Pfeil zurück klicken.

Ich esse genüsslich meine Mitternachts-Pizza, während ich diesen Text verfasse. Wäre ich ein Mann, würde maximal eine Paprikastange herausspringen. Aber ist es nicht verrückt, wie verkehrt uns die Welt die optischen Schönheitsideale vermittelt? Ich möchte ja nicht behaupten, dass Männer mit 100/80/100 ein gesundheitliches Problem hätten. 90/60/90 Frauen haben aber eins. Ich hingegen mit meiner 110/70/200 Schätzung kann den Stress des Tages in einem Glas Wein zur Pizza ertränken und gesundheitlich bedenkenlos ins Bett auf meine Härtegrad 5 Matratze fallen. Wären das die Masse eines Mannes, könnte er sich mal die ganzen Youtube-Tutorials von Bodykiss anschauen, die ich mir seit CoronaMonday zum Thema Sport und Ernährung so reingezogen habe. Inzwischen bin ich sogar bei Yoga-mitmach-Filmen gelandet. Dazu sage ich nur: es zählt nicht, was die Nachbarn denken. Es ist nur wichtig, wie man sich selbst dabei fühlt. Momentan noch sehr ungelenkig.


Quelle: https://youtu.be/tlNu5HB-dig

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