Das dualistische Problem in der zeitgenössischen Musik

Das dualistische Problem in der zeitgenössischen Musik

Dualismus von Materie und Geist
Der Philosophie der grossen Griechen und Römer unterstellen wir bis heute eine Wahrheit, auf die wir uns beziehen und aus der unser Denken hervorgeht. Zuweilen werden sie im Eifer der Begeisterung idealisiert. Das wirkt in der heutigen Zeit insofern verwirrend, da viele Aussagen der rechtsrandigen Parteien wohl einen höheren Wahrheitsgehalt hätten, als beispielsweise Äusserungen des römischen Dichters und Philosophen Lukrez zur Unfruchtbarkeit des Mannes: Der übermäßig dick, verklumpte Samen würde herausgeschleudert und flöge nicht genug weit, so dass er den fruchtbaren Platz nicht finde. Da ist man nur froh, dass er sich nicht weiter auf Feldforschung begeben hat. Wahrheitsgehalt: zum vergessen! Und trotzdem: Beifall für die Philosophen.

Wir haben die letzten 2000 Jahre offensichtlich nicht davon abgelassen Aussagen von vor über 2000 Jahren auf DIE Wahrheit zu untersuchen, die uns Hinweis auf uns selber gibt. Immer auch ein wenig in der Hoffnung, endlich zur Gänze mit Gott und der Kirch abschliessen zu können und alle Fragen über unser Sein geklärt zu haben.
Einer der wichtigsten Diskurse der Antike zu unserer Existenz, drehte sich um den Dualismus. René Descartes, ein französischer Philosoph, spricht von der „res extensa“, der Materie, der toten Masse und der „res cogitans“, dem Denken, dem Sinn. Erst durch Denken können wir tote Masse mit Sinn befüllen, lautet seine Erkenntnis.

Für den Menschen bedeutet dies, dass das eigentlich Menschliche nicht nur in der Materie liegen kann. Was uns zu Menschen macht, ist das Geistliche. Wir erleben uns nicht als Körper, sondern als geistige Menschen, die nachdenken, die Gefühle haben, die über sich selbst nachdenken, die Bewusstsein haben. Viele empfinden ein Leben, das an Maschienen hängt und dessen Kreislauf so aufrechterhalten bleibt, nicht mehr als Leben. Somit definieren wir das Menschsein offensichtlich über einen gewissen Grad an Interaktion. Interaktionismus bewirke den Zusammenhang zwischen dem Denkenden zum Objekt. Es ist eine völlig individuelle Ansicht, ob ein Körper, der ohne Interaktion, ohne offensichtliches Denken und ohne Gefühle zu zeigen an Maschienen hängt, noch eine Person oder nur noch ein Körper ist. Mit diesem Beispiel ist klar, dass Körper und Geist nicht völlig ungebunden existieren, sondern es muss eine Schnittstelle geben, an der beides zusammengeführt wird.
Das Sinnschöpfende entwickelt sich im Verlauf des Lebens. Es veränert sich durch Wissen, das hinzukommt und vergessen geht. In den Worten Descartes kann der Mensch mit Hilfe der res cogitans die res externas zu Leben erwecken. Sinnfüllendes Denken braucht Zeit um sich zu entfalten, wie dies schon Piaget in seiner Theorie zu den formal-operationalen Stufen erkannte (hypothetisch-deduktives Denken, propositionales Denken, abstraktes Denken). Die Bewusstwerdung über Sinn und Bedeutung sind entscheidende Entwicklungsschritte. Für jeden Menschen bleibt Vieles bis zum Lebensende unentdeckt, unvermittelt und sinnlos.

Sinnschöpfung in der tonalen Musik
In der Musik schafft der Gehörsinn den Sinn von Schallwellen. Er sagt uns in erster Linie, dass wir etwas hören und wie wir dazu stehen. Denn damit ein Sinn entsteht, müssen wird die musikalisch tote Materie, die Akustik, befüllt. Wir denken darüber nach, bringen die Klänge in unser Bewusstsein, wir setzen uns dazu in Verbindung und haben Gefühle dafür. Deshalb ist Musik in allererster Linie etwas sinnliches. Das Wort „Musik“ an sich stellt die Verbindung zu ihrer Bedeutung in der Antike her. Seine Herkunft aus dem Griechischen führt zur Kunst der Musen, wobei vor allem die Sing- und Dichtkunst damit beschrieben wurde. Das lateinische Wort wird zum ersten Mal im 9. Jahrhundert in einem althochdeutschen Text auf die Tonkunst bezogen.
Im Gegensatz zur Sexualität, war Musik musenhaft und rein sinnlich, somit durch Sinngebung geschaffen, während der allgegenwärtige Sex vom Althistoriker Kyle Harper mit dem Stellenwert eines befreienden Niesens mit dem Unterleib beschrieben wird. Dies ist auch im eingangs genannte Beispiel von Lukrez erkennbar.

Das tonale System der westlichen Gesellschaft, entwickelte sich, im Glauben an eine klar strukturierte, antike Ordnung, im Wesentlichen in der Renaissance. Musik sollte mittels unseren Sinnen das Göttliche durch konsonante Klänge (Schallwellen, die „gut“ miteinander schwingen) hörbar machen, was später in der barocken Musik mittels Figurationen „wörtlich“ vertont wurde.
Heute wird Musik von der Mehrheit dur-molltonal und immer noch sehr konsonant verstanden. Mit der Dur-Moll-Harmonik umgehen zu können, gehört zum Handwerk der KomponistInnen, wie das Schreiben eines lupenreinen Textes zu GermanistInnen. Das Handwerk in der Musik ist die wohlklingende Tonfolge, der erwartete Akkord, ein Sich-bewegen in bekanntem Rahmen. (Bitte blättern)

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