Das NEINHorn

Rezension von Anna Warzinek

Einhörner sind bei Gross und Klein beliebt. Wer sie bisher nicht mochte, mag sie nach der Lektüre dieser Geschichte. Das Fabelwesen reitet seit Jahren auf einer Welle des Erfolgs. Es soll mit viel lila-rosa-pink-bling-bling vor allem Mädchen ansprechen. Aber alle Realistinnen wissen: die Welt ist weder lila noch rosa. Und bling-bling machen meistens keine Diamanten und nicht einmal Daniel Swarovskis Steine. In der Realität blinkt zum Beispiel die Warnanzeige einer überfüllten Waschmaschine.

Man könnte sagen, dass das NEINHorn das genauso sieht. Es hat von dem ganzen Getue die Nase mächtig voll, weshalb es ständig und zu allem „Nein“ sagt und irgendwann seine Einhornfamilie verlässt. Es trifft auf den Was(ch)bär, den (Na)Hund und die KönigsDochter. Für Kinder bis vier Jahre ist der Text aufgrund solcher geistreicher Wortspiele schwierig zu verstehen. Besonders die Reime müssen paraphrasiert und mittels der bunten, lustig gemalten Bilder erklärt werden. Hilfreich ist dabei, dass die direkte Rede teilweise in Sprechblasen geschrieben, in die Bilder eingebaut ist. Damit bewegt sich das Buch zwischen einer Graphic Novel und einem herkömmlichen Bilderbuch mit Text.

Intertextuelle Verknüpfungen und Floskeln identifizieren die Geschichte dann aber als Märchen. Die KönigsDochter wurde beispielsweise in einen Turm eingesperrt und am Ende wird nach der Moral der Geschicht´ gesucht. Aber auch der ganze fabelhafte Wald zielt darauf ab, aus dem NEINHorn ein Märchen zu schreiben, was Marc-Uwe Kling  in einer sehr hohen Qualität gelingt. (Der Carlsenverlag ist für qualitative Kinderliteratur übrigens immer ein guter Tipp!) Es ist ein Text mit Bildern, der inhaltlich auf den ersten Blick vor allem witzig erscheint. Von den erwähnten Wortspielen, bis hin zu angenehm unkorrekten Witzen für die VorleserIn. Aber die Moral für die Kinder, die zum Beispiel heissen könnte, dass das Leben trotz ständigem „Nein-Sagen“ ganz normal weitergehen wird, ist gut versteckt. Um eine Moral finden zu können, braucht es eine gewisse Lese- und Lebenserfahrung. Entschuldigend könnte man dem entgegensetzen, ist es bei anderen Märchen das Selbe. Oder wer hat gewusst, dass es sich bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf ursprünglich um sexuellen Missbrauch handelt und nicht darum, dass der Wolf ausgerottet werden soll, da er Menschen angreift…?

Das Märchen scheint aktuell eher ein Bestseller zu sein, da jeder Erwachsene jemanden mit Kindern kennt oder eigene Kinder hat, die sich gerade in der Nein-Phase befinden. Als Eltern kann man dabei an seine Grenzen stossen. Es wird nicht schaden, die Situtation mit etwas Humor zu relativieren.

Das Neinhorn – Ein Märchen, auf das die Welt gewartet hat. Sprachwitz für Erwachsene aber grundsätzlich auf für Kinder verständlich, veröffentlicht am 5.10.2019, zeitgemäss, farbenfroh, kreativ den Worterfindungsprozess von Kindern animierend.

 

Erstanden bei: einfach_lesen_Berner_Matte
Preis: 13.40€ / 19.90 Fr.
ISBN: 978-3-551-51841-5
Seintenzahl: 48
Verlag: Carlsen

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