Elisa oder die Nacht der Wünsche

Rezension von Anna Warzinek

Im September veröffentlichte Rafik Schami sein neustes Buch beim Hanser Verlag. Elisa oder die Nacht der Wünsche ist ein Bilderbuch mit Bildern der Berlinerin Gerda Raidt. Das Buch eignet sich perfekt zum vorlesen an einem Adventsabend. Die Geschichte ist kurz und eigentlich schnell erzählt.

Der Weihnachtsmann liess sich selbst vom Kommerz einfangen. Schlagwort Coke. Sowohl er, wie auch die Kinder verloren die Freud am Lachen und am Schenken. Nur seine Frau Elisa sieht noch jene Menschen, die es schwer haben und für die der Weihnachtsmann immer noch einen Symbol der Freude darstellt. Das besondere an der Geschichte: Es gibt kein Happy End. Der Weihnachtsmann wird nicht wieder zu dem, wie wir ihn aus unserer Kindheit und anderen Geschichten kennen. Er bleibt fremdenfeindlich, dem Konsum von Coca-Cola verfallen und interessiert sich nicht mehr für das Schicksal der Kinder.

Einmal mehr wird klar, dass Kinder- und Jugendliteratur auf Zuschreibungen der Buchindustrie beruht. Die Geschichte schockt uns Erwachsene vermutlich mehr, als jedes Kind. Denn wir müssen uns fragen, ob wir uns noch verzaubern lassen und was uns Schenken bedeutet. Geht es nur um den Wert des Geschenkes, um die Größe des Kartons oder wollen wir eine Freude machen, so dass sich die Beschenkten von uns angesprochen, geliebt und ernstgenommen fühlen?

Das Thema hätte locker fünf Doppelseiten mehr vertragen. Gerade in dem Moment, wo die Geschichte ins rollen kommt, endet sie. Es bleiben zum Teil platte bis esoterische Erziehungstips, die sich mit allen Symptomen unserer Zeit aneinanderreihen. Wohlstandsverwahrlosung, Sucht, Rückzug, Eitelkeit, Einsamkeit, Übergewicht, Fremdenfeindlichkeit, Feminismus!  So gelingt es immerhin einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, was oft in Büchern über den Weihnachtsmann fehlt.
Schlussendlich ist es nämlich Elisa, die einfach handelt und den Job ihres Mannes kurzerhand übernimmt, wobei den aufmerksamen LeserInnen auffällt, dass sie in der Geschichte und den Bildern bis dahin eher in einem veraltet Rollenbild dargestellt wird. Weihnachtliche Stimmung versprüht sie, weil sie nicht eingeschnappt handelt, sondern aus Liebe zu ihrem Mann, der offensichtlich gerade in einer Krise steckt und dem sie zu helfen versucht.
Auflockernd und spannend wirkt die Darstellung und Erzählung über den jungen Weihnachtsmann. Die lieblichen Bilder unterstützen den Text, greifen aber nicht interpretierend in die Geschichte ein. So bietet das Buch in sehr kurzer Zeit viel Stoff zum diskutieren. Damit kann man bei jedem Verwandtschafts-Weihnachtsessen, die Atmosphäre kippen!

Rafik Schami: Elisa oder die Nacht der Wünsche. Erschienen beim Hanser Verlag.
Erstanden bei: Hartliebs im 9ten und 18ten Bezirk, Wien. 

 

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